ChronoWorking: Die Zukunft der Personaleinsatzplanung beginnt mit der inneren Uhr

Wir investieren in Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Prozessoptimierung. Unternehmen analysieren Produktionsabläufe bis ins kleinste Detail, optimieren Lieferketten und planen den Einsatz von Maschinen nach technischen Vorgaben. Doch ausgerechnet der wichtigste Produktionsfaktor bleibt häufig außen vor: die Biologie des Menschen.

Während Maschinen nach ihren Leistungsgrenzen betrieben werden und Gebäude strengen Sicherheitsvorschriften unterliegen, orientiert sich die Personaleinsatzplanung noch immer überwiegend an organisatorischen Anforderungen. Arbeitszeiten werden nach Öffnungszeiten, Kundenaufkommen oder betrieblichen Abläufen festgelegt, nur selten z.B danach, wann Mitarbeiter biologisch ihre höchste Leistungsfähigkeit erreichen, oder ob die Arbeitszeit überhaupt in diese Zeitraum liegt, oder ob die Arbeitszeit sogar unternehmerische Risiken in sich birgt, wenn sie die individuelle Biologie des Menschen nicht berücksichtigt.

Genau hier setzt ChronoWorking an.

ChronoWorking beschreibt einen Managementansatz, der arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse mit der Chronobiologie verbindet. Ziel ist es, Arbeitsorganisation und Personaleinsatz stärker an den biologischen Voraussetzungen der Beschäftigten auszurichten. Ein zentrales Instrument dabei ist die chronotypoptimierte Personaleinsatzplanung (COPEP).

Flexible Arbeitszeiten allein reichen nicht aus

An dieser Stelle wird häufig eingewendet: "Wir bieten unseren Mitarbeitern doch bereits flexible Arbeitszeiten."

Flexible Arbeitszeiten sind zweifellos ein Fortschritt gegenüber starren Arbeitszeitmodellen. Sie ermöglichen mehr Eigenverantwortung und können die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben verbessern. Doch Flexibilität allein garantiert noch keine gesunde oder leistungsfördernde Arbeitszeitgestaltung.

Denn die entscheidende Frage lautet nicht, ob Beschäftigte ihre Arbeitszeit flexibel gestalten können, sondern wie sie diese Flexibilität tatsächlich nutzen.

Viele Mitarbeiter orientieren sich trotz vorhandener Freiräume weiterhin an gesellschaftlichen Gewohnheiten, Teamstrukturen oder organisatorischen Erwartungen. Frühbesprechungen, feste Kernzeiten oder die unausgesprochene Erwartung, möglichst früh erreichbar zu sein, führen häufig dazu, dass vorhandene Spielräume gar nicht im Einklang mit der eigenen biologischen Leistungsfähigkeit genutzt werden. Hinzu kommt der gesellschaftliche Druck, basierend auf Dogmen wie „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ oder „Der Fünf-Uhr-Club“, die frühe Anwesenheit als exklusives Leistungsmerkmal feiern.

ChronoWorking geht deshalb einen Schritt weiter. Der Ansatz fragt nicht nur nach der Flexibilität von Arbeitszeiten, sondern nach ihrer biologischen Passung.

Jeder Mensch arbeitet gegen eine andere innere Uhr

Chronobiologische Forschung zeigt seit vielen Jahren, dass Menschen sich hinsichtlich ihrer inneren Uhr deutlich unterscheiden. Manche erreichen ihre höchste Konzentrationsfähigkeit bereits am frühen Morgen, andere erst deutlich später am Tag.

Diese Unterschiede sind keine Frage von Motivation oder Disziplin. Sie sind  überwiegend biologisch bedingt. Dennoch behandeln viele Arbeitszeitmodelle alle Beschäftigten so, als würden sie unter identischen biologischen Voraussetzungen arbeiten.

Die Folge sind vermeidbare Schlafdefizite, sozialer Jetlag, verringerte Konzentration, höhere Ermüdung und eine reduzierte Leistungsfähigkeit – insbesondere dann, wenn Arbeitszeiten dauerhaft gegen den individuellen Chronotyp verlaufen.

Die Frage lautet deshalb nicht, ob Unternehmen sämtliche Arbeitszeiten vollständig individualisieren können, sondern wo sich biologische Unterschiede sinnvoll berücksichtigen lassen, um eine Win-Win-Win Situation zu schaffen?

Drei Gewinner einer chronotypoptimierten Personaleinsatzplanung

ChronoWorking verfolgt nicht das Ziel, ausschließlich die Interessen der Beschäftigten zu berücksichtigen. Erfolgreiche Arbeitszeitgestaltung muss immer drei Perspektiven gleichzeitig im Blick behalten:

  • die Mitarbeiter,

  • das Unternehmen,

  • sowie Kunden oder Patienten.

Wenn alle drei Seiten profitieren, entsteht ein extrem nachhaltiger Mehrwert.

1. Mitarbeiter profitieren von besserer biologischer Passung

Für Beschäftigte bedeutet eine chronotyporientierte Einsatzplanung weit mehr als mehr Komfort.

Unsere Pilotprojekte, übrigens zusammen mit BodyClock, zeigen deutlich: Wer häufiger innerhalb seines natürlichen Leistungsfensters arbeitet, kann häufig länger schlafen, benötigt seltener einen Wecker, erlebt weniger sozialen Jetlag und startet ausgeruhter in den Arbeitstag. Dies wirkt sich nicht nur auf Schlafqualität und Tagesbefinden aus. Auch Motivation, Konzentration, Belastbarkeit und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben können sich verbessern. Gesunde Arbeit beginnt deshalb nicht erst am ergonomischen Arbeitsplatz oder beim betrieblichen Gesundheitsmanagement, sondern mit dem Gang zur Stechuhr.

2. Unternehmen profitieren durch stabilere Prozesse

Auch Unternehmen gewinnen massiv von einer besseren biologischen Passung. Ausgeruhte Mitarbeiter arbeiten konzentrierter, treffen sicherere Entscheidungen und machen tendenziell weniger Fehler. Gleichzeitig können Fehlzeiten, Fluktuation und psychische Belastungen reduziert werden.

Gleichzeitig ist die Berücksichtigung der Chronobiologie der Mitarbetiter ein maßgeblicher Aspekt in der betrieblichen Sicherheit. Der z.B. nachgewiesene massive Rückgang von Tagesmüdigkeit (in unseren Projekten um bis zu 72%) hat signifikanten Einfluss auf Unfallrisiken im Unternehmen.

Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels gewinnen diese Aspekte zunehmend an Bedeutung. Wer qualifizierte Mitarbeiter gewinnen und langfristig binden möchte, muss attraktive und sichere Arbeitsbedingungen schaffen. Dazu gehört künftig auch eine Arbeitsorganisation, die biologische Unterschiede berücksichtigt. ChronoWorking versteht Gesundheit dabei nicht als zusätzlichen Kostenfaktor, sondern als Bestandteil einer wirtschaftlich sinnvollen Unternehmensstrategie.

Wissenschaftlich valide lassen sich durch die genannten Effekte aus unseren Projeten, Kosten zwischen 2.000 € und 5.000 € pro MA und Jahr einsparen, je nach Branche und Unternehmensstruktur.

3. Kunden und Patienten profitieren ebenfalls

Oft wird übersehen, dass eine bessere Arbeitszeitgestaltung nicht beim Mitarbeiter endet. In Krankenhäusern profitieren Patienten von aufmerksamerem Personal, in der Industrie können Bedienfehler reduziert werden und im Kundenservice steigen Konzentration, Freundlichkeit und Kommunikationsqualität. Überall dort, wo Menschen Verantwortung für andere Menschen übernehmen, beeinflusst ihre Leistungsfähigkeit unmittelbar die Qualität der erbrachten Dienstleistung. Chronotypoptimierte Personaleinsatzplanung ist deshalb nicht nur Personalpolitik. Sie ist zugleich Qualitätsmanagement.

ChronoWorking ist mehr als flexible Arbeitszeiten

Flexible Arbeitszeiten beantworten die Frage: "Wann möchten Mitarbeiter arbeiten?"

ChronoWorking ergänzt eine zweite, biologische Perspektive:

"Wie kann durch die Berücksichtigung der individuellen chronobiologischen Voraussetzung der Mitarbeitenden, für alle an einem Prozess beteiligten eine Win-Win-Win-Situation erreicht werden?"

Ziel sollte sein, dieses Gesamtpaket als Grundlage für die Lage von Arbeitszeiten zu machen, auch um auszuschließen, dass am Ende nur einer der Beteiligten davon profitiert. Denn nicht jede gewünschte Arbeitszeit ist biologisch sinnvoll. Gleichzeitig ist nicht jede biologisch optimale Arbeitszeit organisatorisch umsetzbar. Die Aufgabe moderner Personaleinsatzplanung besteht deshalb darin, die sich ergebenden Perspektiven bestmöglich miteinander in Einklang zu bringen.

ChronoWorking versteht sich also nicht als starres Modell, sondern als intelligenter Entscheidungsrahmen. Es geht dabei keineswegs um Perfektion, sondern um eine bestmögliche Passung zwischen Mensch und Arbeitszeit.

Der erste Schritt beginnt mit einem Perspektivwechsel

ChronoWorking ist kein Konzept, das sich über Nacht einführen lässt, aber sehr kurzfristig bereits Erfolge zeigen kann. Wie jede strategische Veränderung beginnt auch sie mit einem besseren Verständnis der Zusammenhänge zwischen biologischen Rhythmen, Arbeitsorganisation und Unternehmenserfolg. Es geht also zunächst um Bewußtseinsbildung in Unternehmen, Kliniken und Organisationen.

Optionen können hier Impulsvorträge oder ein Workshops z.B. auch im Rahmen von Gesundheitstagen sein. Dies schafft Bewusstsein, vermittelt den aktuellen Stand der Chronobiologie und zeigt auf, welche Potenziale sich für das eigene Unternehmen ergeben können. Geichzeitig kann die Interessens und Akzeptanzsitiation beobachtet werden. Denn nur wer die Zusammenhänge versteht, kann fundierte Entscheidungen über die Weiterentwicklung von Arbeitszeitmodellen und Personaleinsatzplanung treffen.

Unternehmen, die das Thema langfristig in ihrer Organisation verankern möchten, gehen häufig sogar einen Schritt weiter: Sie holen sich zunächst das Fachwissen ins Unternehmen. Dazu werden Mitarbeitende aus den Bereichen Human Resources, Betriebliches Gesundheitsmanagement, Arbeits- und Gesundheitsschutz oder Organisationsentwicklung zu Chronobiologie-Experten und internen Ansprechpartnern ausgebildet. Ziel ist es nicht, externe Berater dauerhaft zu ersetzen, sondern im Unternehmen eine Kompetenz aufzubauen, die strategische Entscheidungen künftig auf einem anderen Level aufbauen lassen.

Die Personaleinsatzplanung der Zukunft wird biologischer

Die Arbeitswelt verändert sich kontinuierlich. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und neue Arbeitsmodelle werden ihre Spuren hinterlassen. Gleichzeitig bleibt eine Konstante bestehen: Der Mensch arbeitet nicht unabhängig von seiner Biologie. Unternehmen stehen also heute vor großen Herausforderungen: Fachkräftemangel, steigende Krankenstände vor allem mit psychischen Ursachen, höhere Qualitätsanforderungen und zunehmender wirtschaftlicher Druck.

Viele Antworten werden in Digitalisierung oder künstlicher Intelligenz gesucht. Beide werden zweifellos eine wichtige Rolle spielen. Doch vielleicht liegt eine der bislang am stärksten unterschätzten Ressourcen im Menschen selbst, und vielleicht ist sie der Schlüssel, um Digitalisierung und KI tatsächlich auch optimal einsetzen zu können.

Die innere Uhr lässt sich nicht wegdigitalisieren und auch nicht wegorganisieren. Sie begleitet jeden Menschen, unabhängig von Branche, Beruf oder Hierarchie. Die Frage ist deshalb nicht mehr, ob Unternehmen dieses Wissen künftig berücksichtigen werden. Die spannendere Frage lautet, welche Unternehmen damit beginnen, bevor es zum Standard wird.

ChronoWorking versteht sich als Antwort auf diese Frage. Nicht als Gegenmodell zur klassischen Personaleinsatzplanung, sondern als deren konsequente Weiterentwicklung, mit messbarem Nutzen für Mitarbeiter, Unternehmen und die Menschen, für die sie arbeiten.

Michael Wieden

Über den Autor:

Website Michael Wieden: www.wieden.com

Whitepaper ChronoWorking: www.chronoworking.de

Positionspapier Betriebliche Sicherheit & Chronobiologie:

https://www.wieden.com/chronobiological-safety-compliance/

Ausbildung: www.chrono-coach.com

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